Satsang mit Oliver - Fragen und Antworten 31-35 |
||
In der spirituellen Literatur liest man häufig den Begriff "Ego". Das Ego wird eigentlich immer als schlecht dargestellt, also als etwas, wovon man sich befreien muss. Was ist eigentlich genau damit gemeint? |
||
Der Begriff "Ego" wird in der spirituellen Literatur häufig verwendet und ist meist negativ behaftet. Das Ego wird oft als etwas Böses beschrieben, das einen daran hindert, befreit zu werden. Ausserdem scheint jeder spirituelle Lehrer etwas anderes unter dem Ego zu verstehen. |
||
Wenn du sagst, dass ich keinen freien Willen habe und nichts tun kann, damit es mir besser geht, stresst mich das sehr. Ich bin ungeduldig und möchte irgendetwas tun, was die Situation ändert. Ich kann nicht einfach nur rumsitzen und warten. |
||
Es ist völlig klar, dass dich dieser Gedanke stressen muss. Doch dieses "Du", also die Person, die gestresst ist, ist bloss ein winzig kleiner Gedanke, der ein aufgeblähtes Gebilde namens "Ich bin ein getrenntes Individuum" aufgebaut hat und es nun mit allen Mitteln zu verteidigen sucht. Das Festhalten am Konzept eines freien Willen hält diesen Zustand verbissen aufrecht. Ein sehr anstrengendes Unterfangen. |
||
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen "Erwachen" und "Befreiung"? |
||
Ich kann dir dazu aus eigener Erfahrung folgendes sagen: Erwachen geschieht in einem einzigen Augenblick, der sehr genau zeitlich eingeordnet werden kann. Es ist die plötzliche Erkenntnis, dass da zwei "Ich's" sind: das persönliche "kleine Ich" (Identifikation) und das unpersönliche "ICH" (Einheit). Solange aber dieses Wachsein vom persönlichen Ich als ein Zustand betrachtet wird, den es behalten möchte, da er als angenehm empfunden wird, kann nicht wirklich von Befreiung gesprochen werden. Befreiung tritt erst mit dem Verschwinden dieser Person ein, die im Zustand des Erwachens weilen will. Der Erwachte muss, bildlich gesprochen, aus dem gläsernen Turm der Weisheit (= männliches Prinzip) ausbrechen und sich im Ozean der Liebe (= weibliches Prinzip) auflösen. Dieser Vorgang kann unterschiedlich lange dauern. Danach kann nicht mehr von einer erwachten Person gesprochen werden, sondern von unpersönlicher Freiheit. |
||
Ist Erleuchtung, wenn Bewusstsein sich selbst bewusst ist? |
||
Wenn ein Lehrer dualistisch lehrt, wird er es wahrscheinlich so definieren. Non-dualistisch gesehen macht diese Definition keinen Sinn. Daher bevorzuge ich die Definition, dass Erleuchtung da ist, wenn "niemand" (also keine Person) mehr da ist, die Erleuchtung erfahren bzw. sich mit dem "Zustand Erleuchtung" identifizieren könnte. |
||
Ist wirklich "niemand" mehr da? Ist es nicht so, dass, wenn der "Ich"-Gedanke erloschen ist, DAS da ist, was ICH BIN, Präsenz, also der "Raum", in dem Mensch und Welt erscheinen? |
||
Das "ICH BIN" oder "Präsenz" oder "Einheit" ist vollkommen unpersönlich. "Niemand mehr da" heisst, dass keine Person im eigentlichen Sinne mehr da ist, also niemand mehr, der sich mit irgendetwas identifiziert, also auch nicht mit Präsenz oder Einheit. Ich kann also nicht sagen: "ICH bin reine Präsenz", oder Einheit, Licht, Leere, Fülle oder wie immer Du das nennen willst, sondern – wenn schon – "da ist nur reine Präsenz". |
||
<- Zurück Weiter -> |
||
|
|
||
Externe inhaltsbezogene Google-Werbung
|
||
|
|
||
(C) 2008 - Alle Rechte vorbehalten |
||