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Satsang mit Oliver - Fragen und Antworten 11-15
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Du sagst, dass alles eins ist bzw. das EINE. Der Baum ist somit auch nichts anderes als das EINE, das als Baum erscheint, oder? Wie aber ist es möglich, dass das unmanifeste, eigenschaftslose, unbegrenzte EINE als Baum (= maya) im Bewusstsein erscheint?
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Dass der Baum das EINE ist, das als Baum erscheint, ist natürlich nur ein Konzept, damit sich der Verstand überhaupt etwas vorstellen kann. So eine Art geistige Übung. So wie maya (die Scheinwelt) oder leela (das göttliche Spiel) auch nur Konzepte sind. Da ist in Wahrheit kein Baum. Nichts geschieht je. Der Verstand kann sich Einheit nicht vorstellen, da er selber Einheit ist. So wie ein Auge sich nicht selber sehen kann. Am Schluss muss also jedes Konzept aufgegeben werden, da es nie zur Wahrheit führt. Befreiung bedeutet Befreiung von Konzepten, auch wenn diese eine Zeit lang für den Verstand spannend und herausfordernd sind. Der Zweck jeder spirituellen Übung – worunter zum Beispiel auch Meditationspraktiken gehören – ist nur, die Person, die befreit werden möchte, dermassen zu zermürben, dass sie die Übung aufgibt. Dass dies geschieht, kann niemand – auch ich nicht – bewirken. Es ist aber auch vollkommen unnötig, da auch die Person, die die Übung aufgeben soll, das EINE ist. Es muss also gar nichts geschehen. Deshalb wiederhole ich ständig: Entspanne dich und tue nichts oder eben das, was du gerade tust. Es ist alles in diesem und in jedem Augenblick DAS EINE, das Gesuchte. Alles, was du mit deinen Sinnen erfassen kannst, kannst du als Altar, als Guru gebrauchen. Alles ist die Einladung des Einen an dich, zu akzeptieren, das nichts getan werden muss.
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Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust?
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Da taucht dasselbe wohlbekannte Gesicht wie jeden Morgen auf. Doch es gehört niemandem mehr. Es besteht kein Unterschied mehr zwischen dem Gesicht im Spiegel und dem Spiegel selber. In der Manifestation, also dieser scheinbaren Welt, die aus dir – dem Sein – auftaucht, können sich Dinge ändern oder nicht. Es spielt aber keine Rolle, was sich scheinbar ändert. So wie es dem Ozean egal ist, was für Formen seine Wellen annehmen. Wasser bleibt Wasser, Einheit bleibt Einheit.
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Wie gehst du mit Traurigkeit, Wut und Problemen um?
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Da Emotionen wie Wut und Traurigkeit durch die fehlende Identifikation nicht mehr personifiziert werden, tauchen sie einfach auf, als Bestandteil der Konditionierung des "psycho-biologischen Apparates", genannt Mensch. Wut bleibt Wut, und Handlungen finden statt, diese Wut irgendwie abzubauen oder zu transformieren. Traurigkeit bleibt Traurigkeit, Schmerz bleibt Schmerz. Da ist einfach Traurigkeit, da ist einfach Schmerz. Der Ozean mit noch so hohen Wellen ist einfach immer noch der Ozean. Es kann durchaus sein, dass sich mit der Zeit die Konditionierung des Körpers ändert, wenn die persönliche und die zeitliche Komponente dauerhaft wegbleiben. Grundsätzlich kann alles geschehen. Noch eine dualistische Bemerkung: Es gibt natürlich auch wirkungsvolle Methoden der Gedankenschulung, etwas beherzter ausgedrückt "Gehirnwäsche", um die Konditionierung zu ändern und so Probleme zu lösen. Es gab eine Zeit, da habe ich auch einige ausprobiert. Manche sind sehr effektiv und erleichtern die Kommunikation und das Zusammenleben von Menschen in dieser (scheinbaren) Welt der Manifestation. Ich denke da zum Beispiel an die Methode der "Gewaltfreien Kommunikation" von Marshall Rosenberg – die ich jedem sehr empfehlen kann, falls er oder sie Freude daran hat – oder an das Monumentalwerk "Kurs in Wundern" von Helen Schucman. Andere Methoden, wie zum Beispiel Meditationspraktiken, dienen der Kontrolle des Körpers und der Gedanken. Auf das Sein haben all diese Methoden natürlich keinen Einfluss, denn sie SIND ja das Sein. Sie sind gewissermassen eine weitere Spielerei im Spiel des Lebens. Noch ein kleiner Abstecher zum Thema "Gewaltlosigkeit". Diese hat nichts mit Willenlosigkeit zu tun. "Wenn dir einer auf die eine Wange schlägt, halt ihm auch die andere hin", also DIE christliche Metapher für Gewaltlosigkeit schlechthin, bedeutet, dass das, was auftaucht, willkommen geheissen und von niemandem beurteilt wird, auch wenn es gegebenenfalls eine Gegenohrfeige ist. Was auch immer geschieht, was auch immer für Handlungen auftauchen, ist vollkommen. Es geschieht in vollkommener urteilsloser Liebe und Einheit.
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Kannst du den Begriff „Phänomen“ erklären? Letztlich ist der Baum ja nichts anderes als Bewusstsein, das uns als Baum erscheint, oder?
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Meine Konditionierung ist so beschaffen, dass ich das Einfache dem Komplizierten vorziehe, da ja das Eine sozusagen unendlich einfach ist und sich sowieso nicht in Worte fassen lässt. Deshalb schlage ich vor, hier nicht neue Begriffe einzuführen, sondern dir die METAPHER VOM OZEAN schmackhaft zu machen: Der Ozean Stell dir vor, es gäbe nur den Ozean (= das Eine, das Sein, das Bewusstsein, das Gewahrsein, das wahre Selbst, Gott). Die Natur des Ozeans (= das göttliche Spiel des Getrenntseins) ist es, Wellen zu bilden (= Manifestation, Phänomene). Stell dir nun vor, dass unser Metapher-Ozean aus unendlich vielen Gedanken besteht. Somit sind Wellen – die ja nie getrennt vom Ozean sind – auch nur Gedanken. Leere Gedanken. Nichts. Einen Baum und überhaupt alle Phänomene kannst du dir somit als Gedankenformen vorstellen, die aus dem Ozean des Seins, also aus dem, was DU bist, aufsteigen und wieder absinken. Der Ozean kümmert sich nicht um die Wellen, auch dann nicht, wenn eine unter Abermillionen von Wellen (= die identifizierte Person, der Trennungsgedanke) plötzlich meint, sie sei getrennt vom Ozean. Der Ozean und logischerweise mit ihm die identifizierte Person ist, wie eh und je, immer noch das Eine. Schön, nicht?
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Wer identifiziert sich eigentlich mit einer Person? Das Bewusstsein oder der Verstand?
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Was soll da der Unterschied sein? Du kannst, wenn du möchtest, das Gedankenspiel von meiner Lieblingsmetapher vom Ozean weiterspinnen und dir den Verstand als eine Ansammlung von unendlich vielen Gedanken vorstellen, die wie Wellen aus dem Meer des Seins auftauchen. Statt "auftauchen" kannst du auch "geschehen" denken. Gedanken geschehen, der Verstand geschieht. Einer dieser Gedanken ist gemäss diesem Konzept der (scheinbare) Trennungsgedanke, der eine identifizierte Person (das "Ichlein") erschafft, obwohl es natürlich keinen Gedanken und somit auch keinen Verstand gibt, der getrennt vom Sein ist. Es identifiziert sich also gewissermassen "niemand" mit einer Person. Man kann sagen: Identifikation taucht auf… und verschwindet wieder. Oder auch nicht. Wen kümmert's? Damit das hier nochmals gesagt sei: Das hier sind alles bloss gedankliche Konzepte für den fragenden Verstand, dessen Eigenschaft es nun mal ist, Fragen zu stellen, da es ihm sonst langweilig wird. In Wahrheit taucht nichts auf und es geschieht nichts. Lineare Raum- und Zeitvorstellungen lösen sich im ewigen Sein vollkommen auf.
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