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Satsang mit Oliver - Fragen und Antworten 61-65

Die Worte von H.W.L. Poonja: "From the first not a thing is. From the outset your nature is free." sind uns theoretisch zwar plausibel. Kannst du dennoch eine Metapher bzw. einen direkten Bezug auf das praktische Leben zeigen?

Sehr frei, aber sinngemäss übersetzt bedeuten die Worte Poonjas: "Da ist nichts, was es zu tun gäbe, um frei zu sein. Deine wahre Natur ist es, frei zu sein."
Ihr könnt euch also nicht zu etwas machen, was ihr schon von Natur aus seid. Deshalb rät euch Poonja, einfach nur still zu sein. Mit "still" meint er natürlich nicht, dass ihr nicht sprechen dürft oder anfangen zu meditieren sollt. Nein, er sagt, dass ihr, weil ihr ja schon frei seid, nichts falsch machen könnt. Es gibt nichts, das euch daran hindert, frei zu sein. Das ist die ABSOLUTE Stille, die in jedem Moment da ist, was auch immer ihr tut. Praktischer geht's nicht, oder? Diese Stille ist eure wahre Natur. Das Sein. Einheit. Die pure Existenz, die euch näher ist als alles, was ihr euch vorstellen könnt, weil ihr sie bereits SEID.

Du sagst, auch Angst kann auftauchen, selbst wenn ein angsthabendes Ich nicht mehr da ist. Aber wie geht man mit den lästigen körperlichen Reaktionen um?

Du hast es bereits angesprochen: Wenn kein "man" mehr da ist, geht auch niemand mehr mit körperlichen Reaktionen in irgendeiner Weise um. Sie sind einfach da. Sie tauchen auf und verschwinden erfahrungsgemäss sehr rasch wieder, da sie keine Energie mehr von "jemandem" (= nur ein Gedanke) erhalten, der sich in sie hineinsteigert, sie personifiziert, ihr Zeit und eine eigene Geschichte gibt und sie auf diese Weise verstärkt.

Was genau ist das Verblüffendste an dieser Freiheit? Toleriert man z.B. plötzlich einen Menschen, den man eigentlich nie leiden konnte. Oder geniesst man wieder mal eine Zigarette, obwohl man Jahre gebraucht hat, um mit Rauchen aufzuhören?

Das Verblüffendste ist, dass sich gar nichts ändert. Das Sein, also der Grundton von unpersönlicher allumfassender lebendiger Existenz, ist immer da, in jedem Augenblick. Wie das hässliche Entlein, das nie wahrgenommen wird und das plötzlich als die Prinzessin erscheint, die es im Grund immer war.
Zum Thema Gewohnheiten: Wenn da plötzlich nur noch Stille ist, also kein "kleines Ich" mehr da ist, das dein Leben auf Schritt und Tritt kommentiert und bewertet, dann ändern sich natürlich zwangsläufig auch viele Verhaltensweisen. So können auch alte Gewohnheiten wieder auftauchen oder verschwinden. Das ist tatsächlich manchmal auch verblüffend.

Wo ist in diesem ganzen Komplex die Seele einzuordnen? Was ist sie? Formt sie sich aus dem "Sein" und teilt sich durch das "Ich" mit? Wie übermittelt sie sich, wenn der Bote "Ich" nicht mehr da ist?

Der Begriff der Seele, den ich, wie du vielleicht bemerkt hast, hier der Einfachheit halber nie gebrauche, wird allgemein sehr uneinheitlich verwendet und je nach Religion bzw. spiritueller Tradition ausserordentlich vielseitig interpretiert. Man kennt die Seele bei uns als eine Art "feinstoffliche Persönlichkeit", die den Körper überdauert und je nach spiritueller Vorstellung wiedergeboren wird oder nicht. Sie impliziert eine Person, einen Charakter, ist also gewissermassen der Wunsch des "kleinen Ichs" nach Unsterblichkeit. Du kannst sie dir, wenn du möchtest, einfach als eine Gedankenform vorstellen.
In meinem Bild vom Ozean der Einheit taucht die Seele, wie überhaupt alle (Gedanken-)Formen der scheinbaren Welt der Dualität, wie eine Welle auf und ab. Sie ist, wie alles, nie getrennt vom Ozean. Sie erscheint, genauso wie die gedanklichen Konzepte Leben, Tod und Wiedergeburt, IN Dir, dem Sein, dem Ozean. Wenn der Bote "Ich", also die getrennte Person, nicht mehr da ist, wenn also nur Einheit ist, verschwindet mit ihr das gedankliche Konstrukt einer feinstofflichen Individualität. Die Welle darf Welle sein, ohne dass es "jemanden" kümmert. Körper und Seele dürfen einfach nur SEIN, wie sie es schon immer waren. Was bleibt, ist das, was ebenfalls schon immer war. Einheit.

Du SIEHST aber, das ist doch der Unterschied, oder? Sag uns Blinden irgendetwas Verblüffendes, das wenigstens mal ein (!) Auge aufgeht.

Da gibt es nicht "mehr" zu sehen, auch nicht mit einem Auge, als das, was nicht schon hier und jetzt da ist! Überall, wo ihr gerade seid und bei allem, was ihr gerade tut. Ich sehe nicht mehr als ihr. Ihr seht, wenn schon, „scheinbar“ mehr als ich. Oder besser gesagt: Ihr denkt, ihr müsstet mehr sehen. Ihr interpretiert mehr hinein in DAS, was einfach nur IST. Und selbst diese Interpretation ist die Einladung der Einheit an Euch, die Blume Buddhas, Befreiung als das zu akzeptieren, was sie ist: das absolut Unspektakulärste, was man sich vorstellen kann. Deshalb braucht es nichts Verblüffendes. Ist es nicht schon verblüffend genug, dass euch nichts von der Freiheit trennt? Ich kann euch weder etwas geben, noch etwas wegnehmen, da es nicht nötig ist. Entspannt euch und wartet nicht auf ein spezielles Ereignis. Die vermeintliche Warterei IST das Ereignis!
Sobald mit der Akzeptanz, dass eine Suche unnötig ist, der Suchende und somit der Fragende verschwunden sein wird, ist unpersönliches Sehen da, dass Einheit schon immer da war. Ihr habt die Brille auf und die Augen offen. Feiert diese Tatsache jeden Moment. Die banalen, unspektakulären und unspirituellen Pixel eures Bildschirms, auf den ihr jetzt gerade schaut, SIND die Blume Buddhas!

Aber, heisst das jetzt, ich kann jetzt einfach nach Hause gehen, einen Kuchen backen oder die Zeitung lesen? Ist es genau das?

Ja, genau das. Viel Spass! Krieg ich auch ein Stück?

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