Kannst Du bitte Papajis Metapher mit dem "Seil, das die ganze Zeit als Schlange gesehen wurde" übersetzen?

Damit alle hier wissen, wovon die Rede ist, gebe ich kurz die besagte Metapher wieder:
„Du hast Angst, die Strasse zu überqueren, auf deren anderer Seite Freiheit liegt, weil Du eine Schlange siehst, die aufgerollt in der Mitte der Strasse auf Dich wartet. Jeden Tag kommst Du zurück, siehst die Schlange und fürchtest Dich, weiterzugehen. Eines Tages kommt jemand von der anderen Seite und sagt: „Es ist nur ein Seil. Es gibt keine Schlange, lediglich ein Seil.“ Diese Autorität sagt die Wahrheit und Du erkennst sie. Welches Tun findet hierbei statt? Was hast Du mit der Schlange gemacht? Wohin ist die Schlange gegangen? „Ich bin gebunden“ ist eben diese Schlange. Die Schlange hat es nie gegeben. Du musst die Hindernisse Angst und Zweifel beseitigen. Sieh das Seil als das, was es ist.
Papaji spricht Vertrauen an. Satsang funktioniert nur, wenn Vertrauen in denjenigen da ist, der sagt, dass die Schlange, also die Welt der Dualität, illusionär ist. Dass sie bloss ein Seil, also Einheit ist.
Aber eigentlich geschieht gar nichts. Die vermeintliche Schlange war vorher ein Seil und ist es nachher immer noch. Das "kleine Ich" wird aber immer denken, dass das Seil eine Schlange ist. Es kann nicht anders. In dem Augenblick, wo mit dem Verschwinden, dem Tod des "kleinen Ichs" Erkenntnis da ist, wird die Schlange als Seil gesehen. Aber nicht vom "kleinen Ich", sondern es ist absolutes Sehen. Die Strasse, also die Trennung, der Lehrer, die Schlange, das Seil und der Schüler gehen in diesem Sehen auf und werden eins.
DASS aber überhaupt Vertrauen da ist, kann niemand bewirken. Kein Lehrer, Meister oder Guru. Er kann dir noch so oft sagen, dass du die Hindernisse Angst und Zweifel beseitigen musst. Vertrauen taucht einfach auf, so wie diese Zeilen hier einfach für dich (ja, genau JETZT, NUR für dich!) auftauchen. Es ist eine Art tiefe Resonanz, eine uralte Erinnerung, dass das, was hier gesagt wird, wahr sein muss.
Ich sage es immer und immer wieder: es gibt keine Hindernisse! Das mit dem Seil ist nur eine Metapher für den Verstand. Vergiss sie. Die Strasse hat es nie gegeben.

Gandhis Botschaft "Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst" trifft unserer Meinung nach exakt auf dich als Wegweiser und Lehrer zu! Wie würdest DU diese Botschaft formulieren, da ja eigentlich gar keine "Veränderung" nötig ist?

Gandhi spricht mit seinen Worten die Vorbildfunktion des Lehrers an, die im täglichen Leben nach den Gesetzen von Ursache und Wirkung dieser dualen (Schein-)welt am ehesten Veränderungen von Gewohnheiten bewirken kann, da sie Vertrauen schafft. Ganz nach dem Motto: "Wie du in den Wald rufst so tönt es zurück." In diesem Sinne ist meine Funktion hier die eines Lehrers, der mit dem, was er erzählt, Vertrauen schafft.
Da meine "Botschaft" im Gegensatz zu Gandhis dualen Botschaft aber nondual ist, kommt es, sobald Worte im Spiel sind, zwangsläufig zu paradoxen Situationen. Einerseits sage ich euch, indem ich viele Worte benütze, dass ihr Vertrauen haben sollt, und andererseits sage ich, dass, um befreit zu werden, keine Veränderung stattfinden muss, da Befreiung schon JETZT da ist. In meinen Augen seid ihr ja bereits befreit und eins mit mir und somit allem, denn mit der Befreiung des scheinbaren Individuums ist sogleich die Befreiung der Welt da, die in Einheit aufgeht.
Doch weshalb denn überhaupt diese Botschaft von mir? Mein Konzept für euren Verstand ist: Diese "Botschaft", die es gar nicht braucht, ihr, Gandhi und ich sind EIN zeit- und raumloses Ereignis, dass scheinbar in der Einheit geschieht. Grundlos. Sinnlos. Es hat also gar nicht wirklich stattgefunden, denn da ist nur Einheit. Gandhi taucht gewissermassen IN EUCH auf. Ihr seid Gandhi. Deshalb könnt ihr Euch entspannt zurücklehnen und all die Lehrer und Vorbilder vergessen, die euch irgendetwas in Sachen Erwachen und Befreiung weismachen möchten. Im selben Augenblick der scheinbaren Trennung von der Einheit ist Befreiung bereits geschehen.

Vermittelt uns Andrew Cohen auch die Wahrheit? Unseres Ermessens holt er etwas aus, bleibt aber eng am Kern. Siehst du Parallelen zu deinem persönlichen Lehrstil?

Wahrheit kann nicht vermittelt werden. Alles, was geschieht, geschieht in der zeit- und raumlosen Einheit, so auch Andrew Cohen und seine Lehre. Sie sind nicht getrennt von euch und von mir. Was auch immer er euch sagt, was ihr tun sollt oder nicht, um Befreiung zu erlangen, ist genau DAS, was auftaucht und es ist somit vollkommen. Es ist DAS. Wenn ihr Freude an seinen Worten habt, euch von ihnen angezogen fühlt und ihnen vertraut, wird dies eben euer Weg sein bzw. der Weg des psychosomatischen Apparates, für den ihr euch hält. Ansonsten werdet ihr euch einen anderen Lehrer suchen oder das Handtuch werfen, weil ihr von alledem genug habt, was übrigens mein bescheidener Vorschlag ist.
Alles ist der Film des Lebens, der IN EUCH, in der Einheit, auftaucht. Es spielt keine Rolle, was Andrew Cohen sagt. Er kann nicht mehr oder weniger aus euch machen, als das, was ihr schon seid. Einheit. Mit der scheinbaren Befreiung des Andrew Cohen seid auch ihr befreit worden. Ob ihr zu Andrew Cohen, zu mir oder ins Kino geht, es ist in jedem Moment genau DAS da, was ihr sucht.

Mein indischer Guru sagt: "Du bist Liebe." Okay, sage ich, dann bin ich ja auch Neid und Hass! Das hat ihm aber gar nicht gefallen. Was sagst du als anerkannter Satsang-Lehrer dazu?

Meine Antwort als "anerkannter Satsang-Lehrer" kommt direkt vom gesunden Menschenverstand, der im täglichen Leben durchaus eine wichtige Funktion hat:
Wenn dein Guru dualistisch lehrt – deine Frage deutet darauf hin – und sein Konzept besagt, dass DAS, was du wirklich bist, Liebe ist, das „wahre Selbst“, dann stellen Neid und Hass, also zwei Todsünden, den Gegenpol dazu dar, also das, dem es seinem Konzept gemäss zu entsagen gilt. Dein Guru möchte dir mit diesem Konzept helfen, ein liebevoller, "besserer" Mensch zu werden. Religionen möchten dies im Übrigen auch von ihren Mitgliedern. Es ist also eine Art geistige Umschulung, die dir dein Guru anbietet.
Wenn du nun mit non-dualistischen Argumenten kommst, führt das zu nichts. Das ist so, wie wenn ein Katholik versuchte, mit seinen Gedankenspielen den Papst vom Katholizismus abzubringen. Natürlich bist du, dem Axiom des Non-Dualismus gemäss, wo alles eins ist, auch Neid und Hass. Du bist auch Spaghetti. Na und? Darum geht es ja nicht. Dein Guru möchte dir mit seiner Aussage ein Geschenk machen und du lehnst es ab, indem du ihn mit non-dualistischen Gedankenkonzepten in Frage stellst. Kein Wunder gefällt ihm das nicht, da er sieht, dass du bei ihm am falschen Ort bist. Das ist das Spiel des Lebens und du hast soeben gegen die Spielregeln deines Gurus verstossen. Na und?

Du stellst meinen liebenswürdigen Guru (Brahmane) in Frage! Er ist kein Schokoladenverkäufer. Er würde niemals sagen, dass alles eins ist, oder dass IST = SOLL ist. Er sagt, du bist DAS und meine Wirklichkeit als Mensch ist DAS.

Nun, jeder Lehrer, Meister oder Guru – ob Brahmane, Buddhist, Christ oder Muslim – ist in gewisser Weise ein Schokoladenverkäufer, was übriges eine wunderschöne Metapher ist. Ich bin ebenfalls einer. Wir versuchen euch mit liebevollen Worten das Mysterium zu verkaufen, dass eine Suche nach Erleuchtung, also nach Schokolade, unnötig ist. Dass ihr bereits Schokolade seid. Wir sind also schlechte Verkäufer, da wir euch gar nichts verkaufen. Wir sehen, dass ihr schon alles habt und sagen euch das. Voilà! Der eine tut es dualistisch, der andere non-dualistisch. Jeder, wie er es gelernt hat und es am besten kann. Es spielt keine Rolle, mit welchem Finger der Meister auf den Mond zeigt und wie dieser beschaffen ist; ob er gross oder klein, dick oder dünn, glatt oder haarig, sauber oder schmutzig ist. Der Finger ist unwichtig. Es zählt nur der Mond.

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